Auf den Spuren des Dichtes Alfred Huggenberger
Eine Wanderung von Frauenfeld über Gerlikon nach Kefikon-Islikon zur Erinnerung an den Thurgauer Dichter der Heimat Alfred Huggenberger
Auf den nachfolgenden Seiten lesen Sie:
a) Routenbeschreibung
b) Angaben zur Wanderung mit Kartenausschnitt
c) Biografie von Alfred Huggenberger
d) Zeittafel zur Biografie von Alfred Huggenberger
a) Routenbeschreibung
Startpunkt: Bahnhof Frauenfeld – Hungersbühl – Gerlikon – Bewangen – Samelsgrüt – Gachnang – Islikon
Am Bahnhof Frauenfeld führt die Wanderung am Schloss vorbei Richtung Süden. Man überquert die Murg und folgt dem Fluss am Westufer bis zur «Königswuhr». Durch das Oberholz geht’s hinauf nach Hungersbühl und Gerlikon.
Südöstlich wird die Sicht frei bis ins Hinterthurgau und Toggenburg. Am Eingang des Dorfes Gerlikon weckt ein schmuckes Riegelhaus die Aufmerksamkeit. Hier lebte Alfred Huggenberger von 1908 bis zu seinem Tode im Jahre 1960. Vorbei an der Georgskapelle aus dem 13. Jahrhundert erreicht man Bewangen, wo Huggenberger als junger Bauer gewirkt hat. Auf einer Anhöhe ausserhalb Bewangen steht die Huggenberger-Linde mit dem Gedenkstein. Hier geniesst der Wanderer freie Sicht übers Thurtal bis zu den deutschen Hegauer-Vulkanen, dem Feldberg und in den Alpstein und in die Alpen. Danach geht es bei Samelsgrüt abwärts nach Gachnang. Der Bahnhof Islikon ist das Ziel der dieser lohnenden Wanderung. Zurück zum Bahnhof Frauenfeld geht es mit dem Regionalzug.
Diese Wanderung ist von Frauenfeld nach Islikon signalisiert. Man kann sie in umgekehrter Richtung auch machen, aber der Beschilderung zu folgen erfordert Aufmerksamkeit.
Tipp
In Islikon, dem Ziel der Wanderung, besteht die Möglichkeit zur Besichtigung des 1777 erbauten Greuterhofes, eine der ersten Fabriken der Schweiz. Die sanft renovierte Anlage mit besonderem Charme ist heute ein Seminar- und Kulturzentrum. Eine Führung durch 150 Jahre Telefongeschichte und eine schweizweit einzigartige Sammlung im Museum «Telephonica» empfiehlt sich. Vorausreservation nötig.
b) Angaben zur Wanderung mit Kartenausschnitt

Mit freundlicher Unterstützung der Thurgauer Kantonalbank bringt die Alfred-Huggenberger-Gesellschaft den Wanderern mittels QR-Codes den Dichter und sein Werk näher. Mit Ihrem Handy können Sie diese fotografieren und werden direkt zur Web-Site der Alfred-Huggenberger-Gesellschaft geführt, wo die Informationen gespeichert sind.
Geniessen Sie die abwechslungsreiche Wanderung und nehmen Sie sich Zeit, den Spuren des Dichters Alfred Huggenberger zu folgen.
c) Biografie von Alfred Huggenberger
Alfred Huggenberger wurde am 26. Dezember 1867 in Bewangen, Ge¬meinde Bertschikon (ZH), geboren. Er starb am 14. Februar 1960 als Ehrenbürger in Gerlikon (TG). Sein Grab lehnt sich an die Südwand der evangelischen Kirche Gachnang.
Alfred wurde als viertes von sechs Kindern in kleinbäuerliche Verhält¬nisse geboren. Sein Vater arbeitete zusätzlich in der Tuchfärberei Greu¬ter in Kefikon. Der Besuch der Sekundarschule blieb ihm verwehrt. Gleich seinem Vater war ihm alles, was die Erde hervorbringt, heiliges Gut. Aus eigener Kraft verwandelte der Sohn Hektaren von «Streueland» in fruchtbaren Ackerboden. Trotz all dieser Arbeit erwachte in ihm ein innerer Drang zu schreiben. Seine ersten schriftstellerischen Versuche erbrachten allerdings nur mässige Erfolge.
1907 verschaffte ihm der Gedichtband «Hinterm Pflug» den dichterischen Durchbruch. Er wurde zu einem der meistgelesenen Heimatschriftstellern seiner Zeit. Schweren Herzens gab er in der Folge den inzwischen auf 25 Hektaren angewachsenen Hof in Bewangen ZH auf. Die Familie bezog das 1909 neu erbaute, schmucke Höflein in Gerlikon TG. Dort hoffte er für sein dichterisches Schaffen die erforderliche Zeit zu finden. Auch hier im Thurgau erfüllte Huggenberger die Aufgaben eines Gemeinderates. Von 1920 bis 1932 war er zudem Mitglied des Thurgauer Grossen Rates.
Durch Hermann Hesse, Ludwig Thoma und Josef Hofmiller gefördert, erschienen seine Er-zählungen und Gedichte in verschiedenen Zeitungen wie «März» und «Simplicissimus». Der erwähnte schriftdeutsche Gedichtband «Hinterm Pflug» öffnete ihm den Zugang zum gesam¬ten deutschen Sprachraum. Damit verband sich die Möglichkeit, in grossen deutschen Zeit¬schriften zu publizieren. Seine Romane und Erzählungen waren wirklichkeitsnah dem bäuerli¬chen Alltag entnommen. Huggenberger schrieb in einer seltenen sprachlichen Einfachheit, so wie sie in den Romanen «Die Bauern von Steig» 1913 oder «Die Frauen von Siebenacker» 1925 zum Ausdruck kam. Im letzteren beschrieb er seine Frauengestalten besonders eindrück¬lich.
Er versuchte Form und Gedanken einem Volkslied ähnlich aufzuzeichnen. Deshalb erstaunt es nicht, dass so viele seiner Gedichte vertont wurden. Seine erzählerischen Werke enthalten bleibende Wahrheiten und zeigen uns prägnant das Landleben in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Manche seiner Gedichte sind von zeitloser Schönheit. Seine zahlreichen Schwänke wurden früher sehr häufig an Vereinsabenden gespielt.
Leben und Werk Huggenbergers zeigen seinen optimistischen und weltoffenen Charakter. Neidern begegnete er mit seinem treffenden Humor. Unkraut liess er in seinem «Sommergarten» nicht gedeihen.
Quelle: Entnommen von Hans Menzi, ehem. Vizepräsident der Alfred-Huggenberger-Gesellschaft, leicht ergänzt durch den heutigen Präsidenten Ernst Bühler
d) Zeittafel zur Biografie von Alfred Huggenberger
1867
Geboren am 26. Dezember in Bewangen, Gemeinde Bertschikon (heute Gemeinde Wiesendangen), Kanton Zürich
1873
Im Frühjahr Schuleintritt in Gachnang, sechs Jahre Volksschule, anschliessend obliga-torische Ergänzungs- und Fortbildungsschule
1884
Konfirmation
1896
Im März Übernahme des Hofs, im Oktober Tod des Vaters
1903
Am 28. Juli ehelichte er Berta Schmid, Tochter des Johann Schmid, Land- und Gastwirt auf der Margenmühle (Gemeinde Bussnang).
1904
Im Oktober Hausbrand und Geburt der Tochter Martha
1908
Verkauf des Hofs in Bewangen, Umzug nach Gerlikon, Kanton Thurgau
1911
im Juli Tod der Mutter
1928
Ehrenbürger der Stadt Frauenfeld
1945
Ehrenbürger von Gerlikon
1960
14. Januar Tod in St. Katharinental bei Diessenhofen, Beerdigung in Gachnang
Politische Ämter
1895-1908
Gemeinderat von Bertschikon ZH
1900-1908
Mitglied der Bezirksschulpflege Winterthur
1910-1937
Mitglied der Ortskommission von Gerlikon TG
1918-1921
Ortsvorsteher von Gerlikon TG
1920-1932
Grossrat im kantonalen Parlament als Mitglied der freisinnigen Partei TG
Literarische Zeittafel
1888
Aufführung des ersten Theaterstücks „Studentenstreiche“
1890
Erste Publikation: Gedichtband „Reiter Poesie“ im Verlag Huber, Frauenfeld
1907
Gedichtband „Hinterm Pflug, Verse eines Bauern“, Verlag Huber, Frauenfeld; schrift-stellerischer Durchbruch im deutschen Sprachraum
1912
Gründungsmitglied des Schweizerischen Schriftstellervereins
1912
Wechsel zum Verlag L. Staackmann, Leipzig
1918
Beginn bei Verlag Sauerländer, Aarau
1933
Beitritt zum Reichsverband Deutscher Schriftsteller
1941
Anschluss an die Europäische Schriftstellervereinigung
1952-1954
Letzte Publikationen als Bearbeitung älterer Werke
Auszeichnungen und Preisgelder
1908
Ehrengabe der Schillerstiftung (2000 Franken)
1927
Ehrengabe der Schillerstiftung (2000 Franken)
1937
Johann Peter Hebel-Preis (3000 Reichsmark)
1937
Ehrengabe der Schillerstiftung (1000 Franken)
1940
Kantonaler Kredit des Kantons Zürich zur Förderung der Literatur (1000 Franken)
1942
Erwin von Steinbach-Preis (10000 Reichsmark, ausbezahlt 8625 Franken)
1947
Kanton Thurgau und Ulrico Hoepli-Stiftung (5000 Franken)
Quelle: Brändle/König „Huggenberger – Leben eines Schriftstellers“, S. 382