Gedichtdetail

Der Föhn

Ein graulich Stöhnen in Grund und Schlucht,
Schwer hängt überm Tal der Berge Wucht.
Die Arven lauschen: – Ist er da?...
«Vater, wie sind die Berge nah, –
Ich kann sie fassen mit der Hand!
Lösch aus die Glut, zertritt den Brand!
Schirm' Gott unsre armen Hütten!

Nun fällt er herein über Grat und Kamm,
Da wehrt keine Wehr, da dämmt kein Damm.
Sein Mantel fliegt, sein Atem geht heiss.
«Vater, wie färbt der See sich weiss!»
Gnad' Gott dem verlornen Schiffersmann,
Der nicht den rettenden Strand gewann!

Der Föhn muss ein Opfer haben.
Die Lauen donnern, der Bergwald kracht,
Das Heer der verdammten Geister lacht.
Kein Herz so hart, es schmilzt im Gebet,
Hilf Gott! Der jüngste Tag ersteht!
«Vater, was glüht im Tal so rot?»

Ein Glöcklein bettelt durch Graus und Not,
Sein Schrei geht im Sturm verloren.

 

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