Das Höflein
Im folgenden Gedicht „Das Höflein“ betrachtet Alfred Huggenberger, man könnte meinen an diesem Standort hier nahe der Huggenberger-Linde, seinen Weiler und die ihm zu Füssen liegenden Kleinbauernhöfe, wobei einer heraussticht. Er bewundert ein abgelegenes, weltvergessenes Gehöft am Hang mit der schützenden Linde vor dem Haus, das in sich selbst ruht. Weizenfelder, der Bauer richtet seine Sense für den nächsten Grasschnitt, Kinder beleben das Haus und lassen mit ihrem Frohmut vergessen, dass vielleicht manch Kümmernis an die Haustür pocht. Bescheidenheit spricht aus der letzten Strophe, und wer sein Tagewerk redlich vollbringt, dem gereicht es zur Zufriedenheit.
Alfred Huggenberger stimmt in seinen Gedichten nie in das Lied der Unzufriedenen. Er schaut nie geringschätzig auf diejenigen, denen das Leben kaum gelingt oder wo das Unglück unter dem Dach eines Höfleins zu Hause ist. Vielmehr gibt er diesen Leuten eine Stimme und bleibt er bei seinem Credo: bleibe aufrichtig und verlässlich, bleib dir selber treu, sei fleissig und genügsam, dann kann nichts scheitern und Du bekommst Dein Scherflein zugeteilt.
Hier auf dem Hügel zwischen Bewangen und Oberschneit scheint das Fleckchen Erde die Zeit überdauert zu haben. Nichts ist zu sehen von Fabriken, von Flachdachüberbauungen und Wohntürmen, noch heute scheinen die Dörfer und Felder in sich zu ruhen, nur die rauschende Autobahn durchzieht die Landschaft und lässt erahnen, dass es andernorts hektisch sein muss.
Es ist auch heute richtig, auf alte Werte zu vertrauen, trotz der schnelllebigen Zeit. Sie begleiten uns auch in die digitale Zukunft.
Das Höflein
Ein Höflein, halb versteckt in Bäumen,
Liegt weltvergessen nah am Hang.
Das ist ein Heim nach meinem Sinne,
Ein Eiland, das kein Meer umstürmt!
Rings Zelg an Zelg, und mitten inne
Das breite Dach, das herrlich schirmt.
Die weissen Fensterkreuze wissen
Von Stuben, die voll Sonne sind;
Wer möcht’ des Gartens Wildnis missen,
Die Zaun und Bänklein bunt umspinnt?
Ich weiss, dort liegt kein Schatz vergraben,
Doch duftet braunes Brot im Schrein;
Und blonde Mädchen, munt’re Knaben,
Die lassen Kümmernis nicht ein.
Horch! Ihre hellen Stimmen klingen,
Ein Dengelhammer singt darein –
Könnt’ ich des Schicksals Gunst erzwingen,
Dies Höflein müsst’ mein eigen sein!
Quelle: Gedichtband «Erntedank», 1939